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Rückblick VFF-Jahreskongress 2026 in Göttingen am 18. und 19. Juni 2026 Großes Branchentreffen in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Umbrüche

Frankfurt am Main, 25. Juni 2026. „Fensterbau der Zukunft – Resilient. Nachhaltig. Innovativ“: Unter diesem Motto stand der diesjährige Jahreskongress des Verbands Fenster + Fassade (VFF) am 18. und 19. Juni in der LOKHALLE Göttingen, der mit rund 430 Teilnehmern so gut besucht war wie kein VFF-Kongress zuvor. Den politischen Impuls der Veranstaltung setzte Peer Steinbrück, der ehemalige Bundesfinanzminister und frühere Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, zum Thema „Dimension der Zeitenwende – Reformbedarf für Deutschland“. Markt und Konjunktur, der Strukturwandel im Bau, aber auch das Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Bau- und Wohnungswirtschaft waren weitere Schwerpunkte der Tagung, die auch von dem Wechsel in der VFF-Präsidentschaft von Helmut Meeth zu Anton Gugelfuß sowie der Verleihung des VFF Marketing Awards 2026 bestimmt war.

Politische Rahmenbedingungen, Strukturwandel und Lage der Branche

Nach einem Grußwort des Göttinger CDU-Landtagsabgeordneten Christian Frölich skizzierte Peer Steinbrück die „Dimension der Zeitenwende“ in Deutschland. Zunächst richtete er den Blick auf externe Faktoren wie Risiken der Globalisierung und den Ausfall der USA als Ordnungsfaktor, die Kriege in der Ukraine und gegen den Iran, die disruptive Kraft der KI und die andauernde Klimakrise. Als interne Faktoren der Zeitenwende identifizierte Steinbrück anschließend unter anderem das Aufkommen der AFD, die notwendige Digitalisierung, die marode Infrastruktur und die herausfordernde Lage der Bildung in Deutschland. Steinbrück, Mitglied der überparteilichen „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“, erläuterte, welche der 35 Vorschläge dieser Initiative in den Koalitionsvertrag Eingang gefunden haben, und hob hervor, dass die Regierung – von der Öffentlichkeit zu wenig bemerkt – schon eine Reihe dieser Schritte getan hat. In weiterer Perspektive ging Peer Steinbrück dann noch auf die Entwicklung in Europa ein. So wichtig Europa ist, so wenig hilfreich ist die Bürokratisierung in Europa, wie sie sich beispielsweise in dem Aberwitz von 5.000 Baunormen zeigt. Bei aller Schärfe seiner Kritik an den Fehlern der Politik verbat sich Steinbrück allerdings wohlfeile Untergangsgesänge. Denn die politischen Rahmenbedingungen seien immer noch so gut, dass die Zukunft Deutschlands nicht in der Rolle des „Sick Man“, sondern als „Powerhouse“ der europäischen Entwicklungen zu sehen ist. Vom Kongress besonders positiv aufgenommen wurde Steinbrücks Plädoyer für eine Vereinheitlichung der Landesbauordnungen: Ein einheitlicher Standard wäre ein entscheidender Schritt zu weniger Bürokratie, mehr Verlässlichkeit und Verbindlichkeit sowie größerer Klarheit für Planung und Umsetzung. Die Lageeinschätzung Steinbrücks wurde dann in der folgenden von VFF-Geschäftsführer Frank Lange moderierten Diskussion zu „Markt und Konjunktur“ mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Lage in der Bau- und besonders der Fenster- und Fassadenbranche vertieft. Zahlen dazu lieferte der Marktforscher Martin Langen (B+L Marktdaten), der damit das Gespräch mit dem VEKA-CEO Andreas Hartleif und mit Peer Steinbrück einleitete.

Welche Aufgaben der Strukturwandel im Bau, speziell auch im Fenster- und Fassadenbau, mit sich bringt, war – an die vorherige Diskussion anknüpfend – Thema in einer Gesprächsrunde, in der Sichtweisen aus der Perspektive von Private Equity (Felix Kantelhardt, Auctus), Bauentwicklern (Peter Matteo, Groß & Partner) sowie des Risiko- und Finanzmanagements (Mike Kersting, SMK) unter Leitung des Baurechtlers Prof. Christian Niemöller (SMNG) zusammengeführt wurden. Dabei wurde unter anderem ebenso auf die hohe technische Kompetenz der Gewerke der transparenten Gebäudehülle verwiesen wie auf die Risiken, die eine wenig homogene Branche beispielsweise angesichts häufig unklarer Nachfolgeregelungen in der Unternehmensführung mit sich bringt.

Den Auftakt des zweiten Tages bildete das in den letzten Jahren etablierte Kongress-Gespräch zwischen Frank Lange und Thomas Drinkuth, dem Leiter der „Repräsentanz Transparente Gebäudehülle“, die in Berlin unter anderem mit regelmäßigen Parlamentarischen Abenden die Interessen der Branche vertritt. Drinkuth konnte berichten, dass die Branche von der Berliner Politik mittlerweile deutlich wahrgenommen wird, was er damit unterstrich, dass die Branchenstudie „Steuerförderung für Neubau und Wohneigentum“ von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für ihre eigene Positionsfindung aufgegriffen wurde.

Zukunft und Nachhaltigkeit als Herausforderungen

Welche Leadership-Strategien die „Kreislaufwende in der Bau- und Wohnungswirtschaft“ nötig macht, erläuterte die Zukunftsforscherin Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg. Angesichts der Tatsache, dass mehr als 80 Prozent des Bauabfalls nicht hochwertig recycelt wird, betonte sie die Aufgabe, mit zirkulären Prozessen die linear strukturierte Vergangenheit im Bauen zu überwinden. „Hebel“, dies zu erreichen, sind z.B. Unternehmenskultur, Daten und Design sowie der Blick auf funktionierende Vorbildlösungen anderer Länder wie der Niederlande, Finnlands oder Japans. Der Weg der Transformation führt vom Produkt zur „Materialbiografie“, wobei systemische Zyklen, Kooperation und Verantwortung idealerweise zusammenspielen.

Die nachfolgende Podiumsdiskussion „Nachhaltigkeit, CO2, Strategien und Konzepte“ wurde eingeleitet von einem Impulsvortrag von Johannes Kreißig von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB. Kreißig erläuterte das ökologisch, ökonomisch und sozial differenzierte Konzept der DGNB, welches sie bei der Zertifizierung anwendet, die mittlerweile für 30 Prozent der Gewerbeimmobilien genutzt wird. Das Gespräch von Kreißig mit Dr. Winfried Heusler, Leiter des ift Rosenheim, wurde moderiert von Frank Lange und vertiefte die Nachhaltigkeitsthematik an konkreten Themen der Fenster- und Fassadenbranche wie Wiedereinbau oder dem Verhältnis von Gebäude/System zu Bauprodukt/Komponente.

Finale und Ausblick

Mit einem Blick in die abenteuerlichen Extremwelten von Nord- und Südpol und ihre dramatischen Veränderungen angesichts des Klimawandels führte der Polarforscher Arved Fuchs den Kongressteilnehmern vor Augen, auf welch „dünnem Eis“ wir uns mit unserer globalen Zivilisation bewegen. Dabei zeigte Fuchs sich durchaus als Optimist im Sinne der von ihm formulierten Definition „Optimismus ist der Wagemut der Politik“. Und das heißt: „Wir haben ein Problem. Und wir können es auch lösen!"

Die letzten Worte gehörtem dem scheidenden Präsidenten Helmut Meeth, der dankbar sechs aufregende Jahre an der VFF-Spitze bilanzierte und seinem Nachfolger Anton Guggelfuß einen gut aufgestellten und erfolgreichen Verband Fenster + Fassade übergibt. Er kündigte zum Schluss den nächsten VFF-Jahreskongress am 3. und 4. Juni 2027 in Berlin als „save the date“ an.
Die besondere Atmosphäre des diesjährigen Jahreskongresses wurde wesentlich von dem Veranstaltungsort LOKHALLE geprägt. Die Nutzungen als Vortragsraum, Ausstellunglocation mit Kommunikationsbereichen sowie als Ort der Abendveranstaltung griffen in dem historischen Gebäude aus Backstein, Stahl und Glas – versehen mit Sonnenschutz und Automation – ideal ineinander: mit kurzen Wegen und viel Raum für persönlichen Austausch.

„In Göttingen haben wir erneut gespürt, wie wichtig es ist, zentrale Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren, voneinander zu lernen und konkrete Impulse für die tägliche Arbeit mitzunehmen. Der VFF Jahreskongress Inside 2026 war ein voller Erfolg und hat gezeigt, dass unsere Branche innovativ, leistungsfähig und zukunftsorientiert aufgestellt ist“, so der positive Rückblick von VFF-Geschäftsführer nach dem Jahreskongress in seiner Heimatstadt.

Foto „Plenum“: Die rund 430 Teilnehmer des VFF-Jahreskongresses 2026 in der Göttinger LOKHALLE (Bild: VFF)

Foto „Steinbrück“: Peer Steinbrück stellte eindrücklich das Ausmaß an „Reformbedarf in Deutschland“ dar (Bild: VFF)

Foto „Strukturwandel“: Die Diskussionsrunde „Strukturwandel im Bau“ mit (von links) dem Moderator Prof. Christian Niemöller (SMNG) und den Diskutanten Felix Kantelhardt (Auctus), Peter Matteo (Groß & Partner) und Mike Kersting (SMK) (Bild: VFF)

Foto „Lange-Drinkuth“: Das Gespräch zur politischen Arbeit in Berlin zwischen (links) Frank Lange (VFF) und Thomas Drinkuth (RTG) ist ein fester Bestandteil des VFF-Jahreskongresses. (Bild: VFF)

Foto „Hattburg“: Die Zukunftsforscherin Prof. Dr. Anabel Ternès sprach zur „Kreislaufwende in der Bau- und Wohnungswirtschaft“. (Bild: VFF)

Foto „Nachhaltigkeit“: Die Diskussionsrunde zu „Nachhaltigkeit, CO2, Strategien und Konzepte“ mit (von links) Moderator Frank Lange (VFF), Johannes Kreißig (DGNB) und Dr. Winfried Heusler (ift Rosenheim) (Bild: VFF)

Foto „Fuchs“: Den beeindruckenden Schlusspunkt des Kongresses setzte der Polarforscher Arved Fuchs. (Bild: VFF)

Einen Rückblick auf den VFF-Jahreskongress 2026 mit digitaler Kongressmappe, Teilnehmerliste, filmischen Eindrücken und vielen weiteren Fotos finden Sie unter https://vff-veranstaltungen.de/

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Dr. Peter Christian Lang
Verband Fenster + Fassade
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